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Mission/Entwicklungshilfe - Segen oder Fluch?

Ort: 
Alte Kaserne Winterthur, grosser Saal
Datum: 
Thursday, 25. November 2010 - 20:00

Podiumsdiskussion mit:

- Dudo Erni: Autor von „Die Grünschwätzer“ (2009)
- Alec Gagneux: Vorstandsmitglied ECOPOP und Globosol
- Niklaus Meier: AEM Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen
- Gerhard Bärtschi: Leiter Abteilung Internationale Beziehungen, Mitglied
der Geschäftsleitung der „mission 21 evangelisches missionswerk basel“

Gesprächsleitung: Kurt Schmid, Präsident Freidenker Winterthur

Schwerpunkt der Diskussion:
- Wie sinnvoll ist Entwicklungszusammenarbeit in der heutigen Form?
- Bekämpfen wir nur Symptome oder auch die Ursachen?

Mission/Entwicklungshilfe – Segen oder Fluch
Möchten wir nicht alle Gutmenschen sein? Ein Mittel, es zu werden ist für die Entwicklungshilfe zu spenden. Spenden an „Brot für Brüder“, an die „Evangelische Allianz“ oder noch besser, mit einer Patenschaft bei World Vision. Wenn wir das tun, sind wir in bester Gesellschaft. Gibt doch die OECD pro Jahr über 150 Milliarden für Entwicklungszusammenarbeit aus, wie es Neudeutsch heisst. Die Schweiz alleine über 2 Milliarden. Nun schnell, tun sie etwas Gutes, tätigen sie eine Spende! Wo? Spielt eigentlich keine Rolle, egal wo sie spenden, machen sie das falsche! Polemik? Nein, die internationale Staatengemeinschaft hat im Jahr 2000 mit der Millennium Deklaration beschlossen, die Armut bis 2015 zu halbieren. Sind wir auf gutem Weg das Ziel zu erreichen? Nein, aktuell leben über 2 Milliarden Frauen, Männer und Kinder unter dem Existenzminimum, alle ca. 3 Sekunden stirbt ein Kind an Hunger. Warum? Weil wir zuwenig spenden? Spenden nützen nichts, aber schaden viel. Das sagt nicht irgend wer, sondern die Ökonomin Dambisa Moyo in ihrem Buch „Dead Aid“. Sie schreibt, „Entwicklungshilfe macht Armut zum Dauerzustand“ ebenso kritisiert die Afrikanerin Axelle Kabou in ihrem Buch „Weder arm noch ohnmächtig“ am Elend sei nicht zuletzt die Entwicklungshilfe schuld. Afrikanische Intellektuelle wie Andrew Mwenda schreiben, „Die Hilfe untergräbt die Entwicklung eines unbestechlichen und den Interessen der Bevölkerung dienenden Staatsapparates“ oder der Ökonom James Shikwati „Entwicklungshilfe hilft Tyrannen bei der Unterdrückung“ Entwicklungshilfe raubt Afrikas Würde, Afrika braucht Unterstützung, aber keine Almosen. Die ausgestreckte Hand ist das Symbol des Kontinents. Das Geben und Nehmen festigt die Abhängigkeit Afrikas. Es missachtet die banale Erkenntnis, dass Entwicklung immer nur das kann, was Menschen und Gesellschaften für ihr Fortkommen selber leisten. Das Gleiche gilt für tausende gescheiterte Entwicklungsprojekte, die nicht mit Null zu Buche schlugen, sondern mit einem Minus. Erträge aus sagenhaften Bodenschätzen erreichen nicht die Menschen in Form von mehr Wohlstand und Bildung, sondern fliesen in korrupte Taschen und finanzieren Kriege gegen die eigene Bevölkerung. Unzählige Europäer und US Amerikaner profitieren von dieser Verwaltung der Armut, denn wenn sie erfolgreich wären, würden sie ihren Job verlieren. Afrika braucht einen fairen Handel und nicht Almosen. Das ist das Eine, das Andere ist das Bevölkerungswachstum. In Afrika lebten 1950 rund 200 Millionen Menschen, 2050 werden es über 2 Milliarden sein. Beispiel; Angola im Jahr 2005; 16.3 Mio. Einwohner, 2050; 42.7Mio! Es gibt noch viele Länder mit einer ähnlichen Bevölkerungsentwicklung. Wir sind somit wieder bei der Entwicklungshilfe. Ja Afrika braucht Hilfe! Hilfe, dass nicht länger geduldet wird, dass religiöse Missionare und Entwicklungshelfer, den Menschen erzählen, Vermehrung sei Gottes Wille. Nennen sie mir ein Hilfswerk, eine Regierung, eine multinationale Organisation (Green Peace, WWF) die sich wirklich für Familienplanung einsetzt. Sie werden keine finden. Das Gegenteil ist der Fall. Die Weltbevölkerung nimmt jeden Tag netto um rund 200'000 Menschen zu. 200'000 Menschen die Essen, die sauberes Wasser, ein Einkommen und Bildung brauchen. Und was hören wir? Das Ganze sei nur eine Frage der gerechten Verteilung. Mit einer gerechten Verteilung und Fleischverzicht könnten wir 13, 14 Milliarden Menschen ernähren. Was dann? Was geschieht, mit denen die dann noch geboren werden und nach Nahrung und sauberem Wasser schreien, das es längst nicht mehr gibt. Sind wir Gutmenschen, wenn wir für Entwicklungsprojekte spenden? Nein wir helfen zu töten. Wenn wir es nicht schaffen diesen Teufelskreis zu durchbrechen, dulden wir mindestens, dass weiter an Hunger gestorben wird. Wir helfen dem Elend, nicht den Menschen, bis wir begreifen, dass kein Mensch mehr geboren werden darf, für den nicht genügend Nahrung, genügend sauberes Wasser und ein anständiger Platz zum Leben vorhanden ist. Hören wir auf, Symptome zu bewirtschaften, setzen wir alles daran, dass kein Kind mehr an Hunger und Elend sterben muss, wir sind es ihnen schuldig!

Kurt Schmid Freidenker Winterthur

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